Wovon träumst Du? Gibt es etwas das Dir besondere Freude bereitet und das Du schon immer tun wolltest? Gelingt es einem Menschen, seine Leidenschaft zu leben, dann springt die Freude förmlich aus seinen Augen, und das Universum bringt in ihm ein Licht zum Leuchten, das auch Glanz in die Augen seiner Mitmenschen trägt.
„Deplatzierter“ Pianist
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„Deplatzierter“ Pianist an den schönsten Orten Italiens
von Debora Bergaglio

Wir von Buonviaggioitalia.it trafen ihn vor ein paar Wochen rein zufällig am Mailänder Dom. Paolo Zanerella, der Pianist und Komponist aus Padua, spielte, als sei er im Konzertsaal. Es schien, als machte das für ihn keinen Unterschied. Nach ein paar gespielten Stückten erhob er sich und hat die Arme hin zum ungläubig winkenden Publikum geöffnet.
Musik machen im Herzen von Mailand, unter zerstreuten Angestellten in Eile und Touristen mit dem Reiseführer in der Hand auf Erkundungstour. Das kann nicht einfach sein. Doch seine Begeisterung und Hartnäckigkeit ließen mich zu der Überzeugung gelangen, dieser Mann war alles andere als nur ein Straßenkünstler. Er war einer, der etwas beabsichtigte. Hatte er etwas im Sinn? War es gar ein Projekt? So bin also stehengeblieben und es kam zwischen den Noten seines musikalischen Happenings zu einem kurzen Interview.
Vorab jedoch etwas über ihn.

In Pavia
Paolo Zanarella, geboren 1968!, ist ein „deplatzierter“ Pianist, so will es auch sein gleichnamiges Projekt. Aus den Theatern heraus - so hat er beschlossen – bringt er die Musik auf Plätze und an andere magische Orte auf der italienischen Halbinsel. Die Krise in Bezug auf die Engagements und der Mangel an Fonds für Musik und Kultur machten ihm deutlich, dass die Musik auf die Straße gebracht werden muss, wenn die Leute die Schwellen der Theater nicht mehr überschreiten. Mit seinem Flügel und dem extra für diesen Zweck ausgestattetem Kastenwagen war Zanarella auf einer unerwarteten bezaubernden musikalischen Tour und hat unter anderem auch in Ferrara, Cortina, Pavia, Mailand, Venedig, Padua und Vicenza gespielt. Mit seiner Klaviermusik schenkt er Freude, Kultur und Gefühle.
Und wer es hören will, hört die Weisheit in seinen Tönen …
Interview mit Paolo Zanarella
Wie und wann haben Sie beschlossen, sich auf dieses Abenteuer einzulassen?
Als mir bewusst wurde, dass es immer schwieriger wird, Leute im Konzertsaal zu sehen, die Klaviermusik hören wollen. Vor allem in einem Land, wo die Menschen aus kulturellen Gründen nicht daran gewöhnt sind. Es sei denn, der Pianist ist ein Star…

Am Mailänder Dom
Wählst du deine „Auftrittsorte“ zufällig oder hast du deine Tour geplant?
Im Allgemeinen versuche ich zu planen, um keinen Ärger mit den Behörden zu bekommen: Die Stadtpolizisten lieben Genehmigungen über alles …
Welche Stücke spielt du für Passanten in Eile und welche für Touristen der Stadt?
Ich bevorzuge meine Eigenkompositionen, auch wenn ich weiß, dass Evergreen-Arien stets gut ankommen und Aufmerksamkeit erregen. In Wirklichkeit ist es für mich auch eine Herausforderung, den Leuten Stücke vorzuspielen, die sie nicht kennen, in ihnen Gefühle zu wecken und somit meine Musik weiterzugeben.

In Cortina d'Ampezzo
Was macht dir bei deinen musikalischen Etappen in Italien die meiste Freude?
Die Leute, die stehenbleiben, zuhören, meine Musik mit nach Hause nehmen und mir am Tag darauf schreiben: Deine Musik hat mich verhext!
Welche Nachricht möchtest du von deinem Klavierhocker aus senden?
Die Musik ist unsere Rettung! Mehr als das Geld. Ich sage das nicht einfach so dahin, denn aus den Blicken der Menschen geht es klar hervor: Unsere Seele braucht Nahrung!

In Ferrara
Hast du einen Traum?
Dass sich immer mehr Menschen von der Musik mitreißen lassen, die Gefühle vermitteln und eine Lebenshilfe sein soll. Mein Traum ist es, dabei nicht zweitrangig mitzuhelfen.
Gibt es einen Auftrittsort, mit dem du eine ganz besondere Erinnerung verbindest?
Erinnerungen habe ich wirklich viele … Mein Spiel mitten im Wasser auf einem Boot beim abendlichen Sonnenuntergang.

In Venedig
Wollten wir eine musikalische Rundreise planen, was wären die Etappen?
Die großen Städte, wo sich viele Leute treffen, die sich durch ihre Kultur, Sitten und Gebräuche unterscheiden. Wir würden sie durch die Weltsprache vereinigen: die Musik.

In Padua
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Firmenberater zieht als Klavierspieler durch Italien
Firmenberater und Autodidakt als Pianist auf den Plätzen Italiens: „Die Theater sind zu leer.“

Einen Hochschulabschluss in Theologie, 45 Jahre alt, und selbständig als Firmenberater und einer großen Leidenschaft: die Musik. Zanarella bezeichnet sich selbst als «deplatzierter Pianist». Das ist er in der Tat, wenn er ganz verblüffend an einem heißen Augustabend zu Füßen des Mailänder Doms in Corso Vittorio Emanuele Klavier spielt. «Ich gehe dahin, wo Menschen sind, ich will die Musik nahbringen», erzählt er. «Ich spielte in den Theatern Klavier, merkte aber, dass etwas nicht lief. Sicher, ich bin nicht weltberühmt, ich bin nicht Allevi und dennoch gab es etwas, was die Leute davon abhielt, zu einem Klavierkonzert zu kommen. In Wirklichkeit ist wohl diese Art Musik nicht hinreichend bekannt.» «So habe ich mir gesagt, ich stelle ihnen das Klavier vor die Füße.» Im Sinne von Mohammed also, der meinte: „Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss der Prophet zum Berg.“
In den Städten – die er mit dem Kastenwagen erreicht –bleibt Zanarella immer ein paar Tage und spielt unermüdlich Eigenkompositionen von seinen CDs. (Er hat diese zwei herausgebracht Viaggio in pianoforte sowie L’Amour) oder Improvisationen. Er unterbricht sein Spiel nur, um CDs zu signieren, die die Leute ihm recht häufig abkaufen oder um mit den oftmals neugierigen Zuhörern zu plaudern. Auch wenn, so erzählt er, die meisten ihm lieber an die E-Mail-Adresse schreiben, die er den CDs beilegt.
Zanarella auf dem Neptunplatz in Bologna, August 2012
Der Friede und der göttliche Segen seien mit dir !! ...
Ich bin Mariam-Nur, ich habe dich Samstagmorgen unter den Arkaden der Talwiese getroffen. Ich lief schnell zur Universität, denn es war schon spät. Dann hörte ich süße melodische Töne und instinktiv bin ich ihnen gefolgt wie dem Geruch von frischem Brot.
Ich bin dem „Hunger“, „dem Appetit“ nachgelaufen und meine Seele hat eine wunderbare Nahrung gefunden, eine Wasserfall der Schönheit ist auf mich niedergegangen. Ich habe Zugang zu einer Nichtzeit gefunden, ich war an einem von der Magie deiner Musik geraubten Ort, wo alles voller Licht glänzte. Wir waren eingehüllt in eine geheimnisvolle Welle und ich fühlte mein Herz fliegen.
Was für ein Geschenk mir Gott an jenem Morgen gemacht hatte! Dich zu treffen, war eine weitere Bestätigung dafür, dass wir alle miteinander verbunden sind und dass es die Liebe ist, die uns tief ins Innerste führt. Du spielst wunderbar, das muss man nicht extra sagen, und es würde mich freuen, dich erneut zufällig zu treffen, wenn ich gar nicht damit rechne. Wer weiß, vielleicht wagen wir eines Tages spontan ein paar Tanzschritte zusammen!
Eine kosmische Umarmung von Seele zu Seele. Danke!!!
Mariam-Nur
Ein weiterer Passant hat ihm diese Widmung auf einem Blatt Papier hinterlassen:


Auf der Piazza delle Erbe in Verona, Juni 2013
Und doch hält ihn nicht nur die Liebe zur Musik auf Trab: Er ist Familienvater und hat drei Kinder. Auf die Frage, was seine Frau von seinen Touren halte, antwortet er: «Es ist, als wäre ich Fernfahrer. Ich muss ich los.» Es ist nicht nur das, was er „ kostenlose Sozialarbeit“ nennt und in seinen Anstrengungen zur Verbreitung der Musik deutlich wird. Er ist in der Lage, auch bei Sonnenaufgang an einem menschenleeren Strand von Jesolo zu spielen, wo er niemanden mit seiner Musik bezirzen kann-.
«An jenem Morgen war da kein Mensch», erzählt er. Im Fotoalbum, das er immer mit sich trägt, sieht man ihn auf dem leeren Petersplatz am Klavier, « es war sechs Uhr am Morgen». Und warum macht er das, wenn keiner da ist? «Des zauberhaften Augenblicks wegen“.
Was es ihm, dem „deplatzierten Pianisten“, nun wirklich bedeutet, bleibt dennoch geheimnisumhüllt. Es verwirrt ein bisschen, ihn am Flügel zu Füßen des Mailänder Doms zu sehen …
